"Tobby"
Kinofilm von Hansjürgen Poland
Modern Art Film (1961)
Filmprogramm

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Programmtext:

Der Film zeigt zwei Tage aus dem ungewöhnlichen Leben des Jazzmusikers Tobby.

Auch die Filmherstellung war ungewöhnlich, denn Tobby ist kein Schauspieler. So wie wir ihn sehen, lebt er. Man konnte diese Atmosphäre nicht ins Atelier holen, sondern mußte mit der Kamera Tobby und seine Freunde in ihrem Milieu aufsuchen, wodurch sich für Regie und Technik eine Anzahl Probleme ergaben.

Der Ton mußte orginal mit aufgenommen werden, in Räumen, die dafür nicht eingerichtet waren, denn eine Nachsynchronisation war unmöglich.

Oft mußte mit versteckter Kamera gearbeitet werden, oder bei Musikaufnahmen mit vier Kameras zu gleicher Zeit, weil Jazz, als Improvisation, nicht wiederholbar ist.

Tobbys Musik ist ein wesentlicher Handlungsträger dieses Films, sie reflektiert Erlebnisse, Stimmungen, sogar Geräusche. Sie ist Tobbys stärkstes Ausdrucksmittel.

Ein konventionelles Drehbuch gab es nicht. Die vorhandenen Dialoge konnten nur provoziert werden, um den authentischen Charakter des Films zu bewahren.

Der Filmstoff: die Reaktion Tobbis auf ein verlockendes Angebot einer Agentur, die ihn für eine große Toumee verpflichten will, war nur in einem zehn Seiten umfassenden Treatment fixiert. Der Schnitt war deshalb eines der wichtigsten Mittel zur Verdichtung des Stoffes und beschritt mit einem inneren Monolog und Bewußtseinsüberblendungen völlig neue Wege.

Alle diese Dinge halfen den echten Tobby mit seiner Jazzgefühlswelt so einzufangen, daß Deutschlands führender Jazz-Kritiker J. E. Behrendt sagte:
Ich habe noch nie einen Film gesehen, der das Jazzmilieu so echt wiedergibt, wie TOBBY.